Im Garten eines alten Mannes
im Dorf wuchs seit Jahren eine wunderschöne Rose. Die Leute die vorbei
kamen bestaunten sie und sprachen immer wieder den alten Mann an, wie er
diese wundervolle Blüte denn nur zustande bekäme. Wie er sie pflege und
woher sie überhaupt sei? Denn sie war wundervoll anzusehen und sie blühte
jedes Jahr erneut in voller Pracht. Der Alte erwiderte dann mit einer
kleinen Geschichte.....dass er die Rose vor langer Zeit in seinem Garten
morgens gefunden hatte und wie sie dahin gekommen war, dass hatte ihm ein
Spatz aus seinem Garten erzählt!….und diese Geschichte wolle er gern
erzählen.
So fing er diese Geschichte
immer an und die Kinder die mit ihren Eltern vorbei kamen konnten sie
nicht oft genug hören. Aber auch die Erwachsenen entdeckten immer wieder
Neues in seiner Geschichte und sprachen oft darüber, ob es nicht eine
Geschichte aus Seiner Vergangenheit wäre?...vielleicht um eine verlorene
Liebe oder gar über seine Kinder? Niemand aber bekam je eine Antwort
darauf…………………………………………
So fing der alte Mann wie
immer die Geschichte des kleinen Spatzes zu erzählen:
„ Vor noch nicht allzu langer Zeit, nun etwa vor zwanzig Jahren,
hatte ich mich auf diesen Hof zurückgezogen um endlich ein wenig Ruhe und
Gelassenheit in mein Leben zurück zu bringen. Ich hatte viel gearbeitet
und dem zu folge viele Fehler gemacht. Nun zog ich mich zurück und
widmete mich meinen Hobbys und dem eigentlichen Leben, welches ich in
vielen Dingen sehr vermisst hatte. So fing ich an meinen Garten zu pflegen
mit allem was so in ihm gewachsen war und fügte noch einige für mich schöne
Pflanzen hinzu. Ich hatte nur nie eine Rose in meinem Sammelsurium. Ein
paar Jahre später holte ich mir zwei, da vorn sind sie ja...., liebe
Katzen ins Haus. Wie ihr sehen könnt sind sie heut noch bei mir und, ja
wirklich, kümmern sich sehr aufmerksam um ausgerechnet diese Rose. Damals
siedelte sich auch ein kleiner Schwarm Spatzen bei mir an und ich glaubte
mit der Zeit manchmal aus dem Piepsen der Vögel ein Gespräch heraus zu hören.
Über Monate und
vielleicht Jahre wurde es immer deutlicher, bis ich eines Tages meinte
tatsächlich direkt neben mir etwas verstanden zu haben und antwortete. Es
kam eine Antwort! Erschreckt blickte ich mich um und da saß der kleine
Spatz und schaute mir frech ins Gesicht. Es schien als würde er lachen
und ich hörte das leise Kichern......! Ich fragte und kam mir ein wenig
dumm vor, ob er mich denn wirklich verstehen könne und wie das käme? Und
wieder hörte ich seine Antwort zwar leise aber klar und deutlich, wie er
sagte: ´Sicher alter Mann, ich verstehe dich schön länger! Aber frag
mich nicht warum. Vielleicht kommt es daher, dass du uns schon lange bei
dir hast und uns gut versorgst in den schlechten Zeiten der
Wintermonate.`. Ich wusste nicht wie ich mich verhalten sollte, war ich
verrückt geworden in den Jahren der Abgeschiedenheit oder war das alles
die Realität? Zuerst war ich erschreckt und zog mich zurück ohne zu
antworten, denn ich gebe zu, ich war schockiert.
Nach ein paar Tagen aber
hatte ich mich gefasst und versuchte nun wirklich intensiv mit dem Spatzen
zu unterhalten. Der war begeistert, dass ich nun endlich wie er sagte, zur
Vernunft gekommen sei und es begann eine Zeit in der wir uns unser Leben
erzählten. Es war herrlich wenn die Katzen auf meinem Schoss saßen und
ihm nicht s zuleide taten. Obwohl sie es manches Mal sicher gern getan hätten,
aber anscheinend hörten auch sie gespannt zu, wenn der kleine Kerl von
seinen Abenteuern erzählte.
So kam es eines Tages das
der Spatz mich fragte warum ich denn keine Rosen in meinem Garten hätte?
Er liebe Rosen und wisse auch wo eine Rose stehe die niemand mehr pflege.
Er aber wisse von ihr, dass sie sehr wohl imstande wäre wieder zu blühen
wenn sie denn nur mit viel Liebe versorgt würde. Sie habe vor nicht allzu
langer Zeit noch wunderschön getrieben und geblüht. Aber man hatte sie
versetzt und sich nicht mehr um sie gekümmert und so war sie verkümmert
aber nicht verloren.
Ich antwortete dem kleinen
Kerl, dass so eine Rose sehr viel Zuwendung brauche und es mit viel Arbeit
und Verantwortung versehen wäre so eine wunderschöne Blume zu schneiden,
zu düngen und so weiter, eben zu pflegen vielleicht auch zu lieben, so
dass sich eine solche Pflanze auch wohl fühle. Denn das war ein fester
Vorsatz von mir, dass was ich zu mir nahm in meine kleine Welt das sollte
auch versorgt, geliebt und dementsprechend gepflegt werden.
Seine Antwort war eine
schnelle und klare: ´Genau aus diesem Grunde werde ich dir diese Rose in
deinen Garten bringen. Du wirst der einzige sein der sie wieder zu dem
machen kann was sie einmal war!´. Ich musste lachen und hielt das Ganze für
einen Scherz, denn wie sollte so ein kleiner Spatz eine Rosenstaude
transportieren und wo überhaupt sollte sich so eine Rose befinden. Ich
selbst hatte im nahen Umkreis nie eine Rose blühen sehen und konnte mich
auch nicht erinnern eine verkümmerte Staude gesehen zu haben. Aber ich
versprach dem Spatz, dass wenn er mir eine Rose bringen würde, ich sie
den Rest meines Lebens für mich, sie selbst und natürlich für ihn
pflegen würde. ´Du wirst sehen es wird deine große Liebe werden! Ich
nehme dein Versprechen an und werde sie zu dir bringen!´.
Der kleine Spatz
verabschiedete sich und flog davon, ´nun habe ich Eile sie zu holen!!´
zwitscherte noch zu mir zurück und war verschwunden. Immer noch ungläubig
und lustig stellte ich mir vor
wie der Spatz eine solch große Pflanze transportieren wolle. Ich ging ins
Haus, denn es war spät geworden. Nach einer Weile, in der ich immer noch
nachgedacht hatte ging in mein Bett, die Katzen kuschelten sich um mich
und wir schliefen ein. Ich glaube sogar ich habe in dieser Nacht von einer
wunderschönen Rose geträumt, denn am nächsten Morgen hatte ich einen
Namen für sie! Sie solle ´astérisque´ heißen, mein Sternchen.“
Nun unterbrach der alte Mann
für einen Moment seine Erzählung. Er nahm eine seiner Katzen auf den
Schoss , während sich die andere um den Stamm der Rose auf ihre Wurzeln
legte. Grade so als wenn sie diese wärmen wollte. „ Seht ihr? Dass tun
sie immer, wenn es kühler wird, ja sogar im Winter! So hat unser ´Sternchen´
immer warme Wurzeln und wächst um so lieber........bestimmt auch ein
Grund für sie uns mit ihren Blüten so zu erfreuen!“.
Er lehnte sich in seinem
Schaukelstuhl zurück und begann wieder zu erzählen:
„ Nun beginne ich
eigentlich erst mit der Geschichte die mir der Spatz, nachdem der die Rose
vor meine Tür gelegt hatte, erzählt hat!. Tatsächlich lag am nächsten
Morgen eine riesige Rosenstaude vor meiner Tür. Sie war heruntergekommen,
ungepflegt, trocken und sah jämmerlich aus. Aber bei genauem Hinsehen
konnte man sehen, dass noch Leben in ihr war und das nicht wenig. Der
Spatz kam geschwind aus seinem Versteck hervor und kicherte vor sich hin
wie ich alter Mann ungläubig vor der Rose stand und verwundert meinen
Kopf schüttelte. ´Ich werde dir alles erzählen, aber von Anfang an und
es wird eine lange aber traurige Erzählung. Das sie aber ein gutes Ende
hat liegt jetzt an Dir!´. Ich bat den Spatz noch ein Weilchen mit seinen
Ausführungen zu warten, denn ich beschloss zuerst die Rose zu versorgen
und an einen sonnigen Platz zu bringen.
´Ich hatte es nicht anders
erwartet. Du merkst schon jetzt ich hatte Recht sie herzubringen!´ und so
flog er noch einmal davon. Nicht weit und er beobachtete mich genau.
Trotz aller Neugier auf die
Geschichte des Spatzes machte ich mich an die erste Versorgung der Rose
und erst als ich sicher war das sie es vorüber gehend gut hatte rief ich
den kleinen Herrn vom Baum um mir endlich die Neugier zu nehmen und mir zu
erzählen.
Und so begann er:
´Wie
du weißt bin ich sicherlich genau so alt wie du, natürlich in unserer
Zeitrechnung. Als ich also noch ein junger Kerl war lernte ich diese
wundervolle Rose kennen. Jeden Morgen, wenn die Sonne aufging flog ich zu
ihr und setzte mich auf ihre jungen Triebe, sang ihr ein kleines Lied und
wir unterhielten uns so manche Stunde über das wunderbare Leben auf
dieser Erde. Sicherlich waren meine Lieder nicht sehr melodisch, aber sie
hatte ihre wahre Freude daran und ich genoss das Wachsen ihrer Triebe und
die daraus folgenden Blüten. Zu jedem Sommerende blühte sie am schönsten
und sie genoss es im Mittelpunkt aller Blicke der vorübergehenden
Menschen zu stehen. Es war eine herrliche Zeit! Eines Tage jedoch
beschloss der Mann in dessen Garten sie stand sie um zu setzen. Warum
haben wir beide nie verstanden, denn auch sein Haus musste eine Zierde
verlieren, wenn er dies tat. Aber nichts und niemand hielt ihn davon ab.
Später sahen wir zwar warum, aber dass die Menschen wegen Steinmauern und
diesen fahrbaren Blechgehäusen einen solchen Anblick verschmähen würden
verstanden wir nicht. Sie wurde nicht weit verpflanzt, aber nicht mir
Verstand und mit Herz. So kam es, dass sie verkümmerte, wohl noch blühte
aber bei weitem nicht mehr so wie sie es hätte gekonnt.
Noch etwas passierte in
dieser Zeit, allerdings mehr zu meinem Unglück, oder vielleicht doch zu
unserem, wie sich später herausstellte. In den hohen Ästen der Eiche
neben dem Haus nistete sich ein großer Falke ein, so dass ich vor Angst
nicht mehr am Morgen zu der Rose flog um nicht gefressen zu werden. Auch
das betrübt sie anfangs, aber mit der Zeit gewöhnte sie sich wohl an die
mittäglichen Besuche des großen Vogels und vergas mich zusehends. Aus
ihren Erzählungen hatte ich heraus gehört, dass der Falke ihr ein neues
Zuhause versprochen hatte. Sie saß noch locker in der Erde und nach dem nächsten
Rückschnitt wolle er sie aus der Erde ziehen und an einen schöneren Ort
fliegen. Ich sagte ihr wie traurig ich wäre aber sie hatte sich
inzwischen ganz dem Falken zugewandt. Das war sicherlich verständlich,
denn ich konnte sie nicht retten so wie er es konnte. Und so kam es, dass
sie eines Morgens verschwunden war. Ich suchte sie, flog was ich fliegen
konnte und hielt nach ihr Ausschau. Eines Abends fand ich sie. Tatsächlich
stand sie an einem schöneren Ort. Der Falke hatte sie zu dem Jäger am
Rande des Dorfes gebracht, den du sicherlich gekannt hast. Der pflanzte
sie in die Mitte eines Rasenstückes in seinem Garten und sie blühte
zusehends wieder auf. Auch freute sie sich mich wieder zu sehen, was mir
sehr gut tat. Trotzdem ich vorsichtig sein musste, denn auch der Falke
besuchte sie von Zeit zu Zeit. Nach einer Weile aber stellte ich fest,
dass der große Vogel immer seltener zu ihr kam und es sie wieder traurig
stimmte, welches man an ihren Blüten erkennen konnte und so beschloss ich
wieder jeden morgen bei ihr vorbei zu schauen wie in alten Zeiten. Und
wieder begann eine schöne Zeit für uns, wohl mehr für sie, denn ich
musste weit dafür fliegen! Aber auch das änderte sich, denn meine ganze
Sippe zog um in die Nähe des Dorfes, nämlich zu Dir! Zu dieser Zeit aber
verstarb der Jäger und niemand kümmerte sich mehr um die Rose und sie
verkümmerte und verwuchs. In der Zeit auf deinem Grundstück merkte ich
mit welcher Liebe du die Pflanzen und die Tiere versorgtest. Dir fehlte
eine Rose, so meinte ich. Ich liebte diese Rose so sehr, dass ich
versuchte die Geräusche die aus deinem Mund kamen nachzuahmen und zu
lernen und so kam es eines Tages das du mich verstandest. Natürlich war
auch von deiner Seite her immer das Bestreben zu spüren uns Tiere und
Pflanzen zu verstehen, aber allein hättest du es nicht geschafft. Ich
habe dich also überredet eine Rose anzunehmen und sie von Herzen zu
pflegen. Damit dieses wundervolle Geschöpf wieder zu dem wird was es
einmal war und ich glaube du kannst es!. Übrigens hat der Dachs die Rose
ausgegraben und hierher gebracht, denn auch er weiß deine Versorgung für
seine Familie zu schätzen! Also wundere dich nicht mehr wie ich die Rose
hierher gebracht habe! Und nun halte dein versprechen und pflege und liebe
sie!´
Der alte Mann lehnte sich
noch einmal zurück, lächelte ein wenig und zeigte auf die Dachrinne. Da
saß der kleine Spatz und piepste vor sich hin. Niemand verstand was er da
von sich gab, aber es konnte nur etwas zufriedenes sein, denn er flog
einen großen Kreis über die Anwesenden und setzte sich kurz auf die
Schulter des Mannes, zwitscherte etwas und verschwand.
„Ja seht ihr und so ist
die Rose hierher gekommen und ich werde sie, wie versprochen bis an mein
Lebensende pflegen und lieben. Und sie wird es mir mit ihren wundervollen
Blüten danken, glaube ich!“
Langsam erhoben sich die
Leute und gingen etwas verwirrt und verträumt davon und jeder machte sich
seine Gedanken über diese Geschichte für sich selbst.
War etwas Wahres daran,
niemand wusste es. Aber einen schönen Gedanken nahm wohl jeder von hier
mit. Und die Rose wird wohl noch heute blühen, denn der alte Mann lebt
unter Euch und die wundervolle Rose
auch………………………………………..
